Gewerbelizenz in Dubai: warum der Tätigkeitscode wichtiger ist als der Preis
In den VAE braucht jede geschäftliche Tätigkeit eine Lizenz – das Gegenstück zur Gewerbeanmeldung in Deutschland, nur mit deutlich mehr Folgen. Denn auf der Lizenz steht der Tätigkeitscode (Activity Code), und dieser Code wird später von vier Stellen gelesen, die sich nie begegnen: der Bank, der Einwanderungsbehörde, der Steuerbehörde FTA und – in der Free Zone – den Regeln für den Nullsatz bei der Körperschaftsteuer. Wer den Code einmal richtig wählt, merkt davon nichts. Wer ihn falsch wählt, bekommt es von allen vier zu hören.
Dieser Beitrag ist ein allgemeiner Überblick, keine Rechtsberatung. Tätigkeitslisten, Lizenzarten und Tarife unterscheiden sich je nach Emirat und Free Zone und ändern sich regelmäßig. Ihre Tätigkeit ordnen wir im Einzelfall ein.
Die Lizenzarten im Überblick
- Commercial License (Handelslizenz): Handel mit Waren – Import, Export, Vertrieb, Einzelhandel, E-Commerce mit eigenem Lager.
- Professional License (Dienstleistungslizenz): Beratung, Software, Design, Ingenieurleistungen, Schulungen.
- Industrial License: Herstellung, Montage, Verarbeitung – mit Anforderungen an Räume und Anlagen.
- Lizenzen für regulierte Bereiche: Tourismus, Gesundheit, Bildung, Finanzdienstleistungen, Immobilien und andere Branchen, in denen die Genehmigung einer Fachbehörde Voraussetzung ist.
Auf dem Mainland erteilt das Emirat die Lizenz (in Dubai das Department of Economy and Tourism). In einer Free Zone erteilt sie die Behörde der Zone, und jede Zone führt ihre eigene Tätigkeitsliste. Dasselbe Geschäft kann in einer Zone ein Code sein, in einer anderen zwei, und in einer dritten gar nicht angeboten werden. Die Grundsatzentscheidung dazu erklären wir unter Mainland oder Free Zone.
Freelancer-Lizenz in Dubai
Viele Selbständige aus Deutschland, Österreich und der Schweiz – Berater, Entwickler, Designer, Coaches – suchen nach einer Freelancer-Lizenz. Einige Free Zones bieten eine solche Genehmigung für Einzelpersonen an (oft Freelance Permit genannt). Bedingungen, zugelassene Tätigkeiten, Visum und Kosten unterscheiden sich aber von Zone zu Zone und ändern sich häufig. Belastbare Zahlen nennen wir deshalb erst für die konkrete Zone zum aktuellen Stichtag.
Die Alternative ist eine eigene kleine Gesellschaft in einer günstigen Free Zone. Zum Vergleich die Richtwerte für eine Gesellschaft (Richtwert laut Kanzlei, Stand September 2026, zzgl. behördlicher Gebühren):
| Variante | Richtwert (AED) |
|---|---|
| Lizenz in einer günstigen Free Zone (Meydan, IFZA), oft mit Flexi-Desk und 1 Visum | ab 10.500 – 15.000 |
| Erstes Jahr komplett: Free Zone, 1 Gesellschafter, 1 Visum | rund 35.000 – 55.000 |
| Mainland: Lizenz und Gebühren | 15.000 – 30.000, plus Büro mit Ejari 10.000 – 30.000 pro Jahr |
Die vollständige Aufstellung: Kosten der Firmengründung in Dubai.
Was für die Gesellschaft spricht: Eine Gesellschaft ist für Banken und Kunden oft leichter einzuordnen, und Sie können die Struktur später erweitern. Was für die Freelancer-Lizenz spricht: weniger Verwaltung. Die richtige Wahl hängt davon ab, ob Sie ein Konto, ein Visum für die Familie und Kunden in den VAE brauchen. Beachten Sie: Auch bestimmte natürliche Personen, die ein Geschäft betreiben, können der Körperschaftsteuer unterliegen – das prüfen wir mit Ihnen vorab. Und ob Einkünfte aus Dubai in Ihrem Heimatland steuerpflichtig bleiben, klären Sie mit einem Steuerberater in Deutschland, Österreich oder der Schweiz.
Wo der Tätigkeitscode gelesen wird
Von der Bank. Die Compliance vergleicht die lizenzierte Tätigkeit mit den Zahlungen auf dem Konto. Beratung auf der Lizenz, aber Warenzahlungen auf dem Konto – das führt zu Rückfragen und, wenn sie unbeantwortet bleiben, zur Sperre.
Von den Behörden für Visa und Arbeitserlaubnis. Auf dem Mainland muss der Beruf des Mitarbeiters zur Tätigkeit der Gesellschaft passen, und die Lizenz muss ohne Verstöße gültig sein, sonst gibt es keine Arbeitserlaubnis (u.ae: Work Permits).
Von der FTA bei der Mehrwertsteuer. Ob eine Leistung mit 5 %, zum Nullsatz oder steuerfrei behandelt wird, hängt von der Art der Leistung ab – aber die Lizenz ist das erste Dokument, das bei Rückfragen angesehen wird. Mehr unter Mehrwertsteuer in den VAE.
Von den Regeln für die Free Zone. Eine Qualifying Free Zone Person zahlt 0 % nur auf Qualifying Income; alles andere wird mit 9 % ab dem ersten Dirham besteuert. Geprüft wird nach der Tätigkeitsliste der Ministerial Decision Nr. 229/2025 – Vertrag für Vertrag, nicht nach dem Wortlaut der Lizenz. Eine Lizenz, die den Geldfluss nicht einmal abdeckt, fällt aber als Erstes auf. Details: QFZP: 0 % in der Free Zone.
Ein Beispiel aus der Praxis
Eine Softwarefirma in einer Free Zone verkauft Lizenzen an Kunden in Deutschland. Nach sechs Monaten bittet ein Kunde, auch Server zu liefern und einzurichten. Der Weiterverkauf von Hardware ist Handel: nicht von der Dienstleistungslizenz gedeckt, eine Warenzahlung auf einem Dienstleistungskonto, eine andere mehrwertsteuerliche Behandlung – und, falls der Kunde auf dem Mainland der VAE sitzt, Umsatz, der auf die De-minimis-Grenze angerechnet wird (der niedrigere Wert von AED 5 Mio. oder 5 % des Gesamtumsatzes).
Die richtige Reihenfolge:
- Entscheiden, ob dieser Umsatz überhaupt in diese Gesellschaft gehört.
- Falls ja: die Tätigkeit vor der ersten Rechnung in die Lizenz aufnehmen.
- Die Bank informieren und die geänderte Lizenz vorlegen.
- Die mehrwertsteuerliche Behandlung festlegen.
Die falsche Reihenfolge: erst Rechnung stellen, dann erklären.
Wie viele Tätigkeiten?
Manche Zonen enthalten mehrere Tätigkeiten im Basispaket, andere berechnen jede einzeln, und manche erlauben Handel und Dienstleistung gar nicht in einer Gesellschaft. Unbenutzte Codes kosten bei jeder Verlängerung Geld. Bauen Sie die Liste aus Ihren tatsächlichen Umsätzen, nicht aus Plänen für „irgendwann“.
Regulierte Tätigkeiten und Geldwäscheprävention
Gesundheit, Bildung, Finanzdienstleistungen, Rechtsberatung, Immobilienvermittlung und einige weitere Bereiche brauchen zusätzlich zur Lizenz die Genehmigung einer Fachbehörde. Das verlängert den Zeitplan und bringt Anforderungen an Qualifikation, Kapital und Räume mit sich. Faustregel: Wenn Sie dafür zu Hause eine Erlaubnis brauchen, brauchen Sie sie in den VAE vermutlich auch.
Hinzu kommt die Geldwäscheprävention. Bestimmte Branchen gelten als DNFBP (Designated Non-Financial Businesses and Professions): etwa Immobilienmakler bei Kauf und Verkauf für Kunden, Händler mit Edelmetallen und Edelsteinen bei Bargeschäften ab AED 55.000, unabhängige Buchhalter bei bestimmten Geschäften sowie Gesellschafts- und Treuhanddienstleister. Sie müssen sich im Meldesystem goAML registrieren (Ministry of Economy & Tourism: goAML). Wie ernst das genommen wird, zeigt ein Beispiel: Im dritten Quartal 2023 wurde der Betrieb von 50 solchen Unternehmen für drei Monate ausgesetzt, weil sie sich nicht registriert hatten.
Den Code später ändern
Eine Änderung der Lizenz ist mit Gebühren der Zone verbunden, die wir für die konkrete Zone bestätigen. An sich ist das nicht teuer. Teuer ist die Lücke zwischen dem ersten neuen Geldeingang und dem Moment, in dem die Bank die geänderte Lizenz hat – in dieser Lücke passieren die Sperren. Erst ändern, dann fakturieren, und die neue Lizenz noch in derselben Woche an die Bank schicken.
Wir begleiten die Wahl der Tätigkeit und die Gründung: Firmengründung in Dubai. Den vollständigen Ablauf finden Sie unter Firma in Dubai gründen.
Häufige Fragen
Was kostet eine Gewerbelizenz in Dubai?
In günstigen Free Zones wie Meydan oder IFZA ab etwa AED 10.500 – 15.000, auf dem Mainland AED 15.000 – 30.000 zuzüglich Büromiete (Richtwert laut Kanzlei, Stand September 2026, zzgl. behördlicher Gebühren).
Gibt es in Dubai eine Freelancer-Lizenz?
Ja, einige Free Zones bieten Genehmigungen für Einzelpersonen an. Bedingungen und Kosten unterscheiden sich je nach Zone; wir prüfen sie zum aktuellen Stichtag und vergleichen sie mit einer eigenen kleinen Gesellschaft.
Kann ich zwei sehr unterschiedliche Geschäfte unter einer Lizenz führen?
Manchmal, je nach Zone und Verträglichkeit der Tätigkeiten. Oft ist die sauberere Lösung eine zweite Gesellschaft.
Was, wenn ein Kunde eine Leistung will, die meine Lizenz nicht abdeckt?
Entweder die Tätigkeit vor der Rechnung in die Lizenz aufnehmen oder die Leistung über eine Gesellschaft abwickeln, die dafür lizenziert ist. „Erst fakturieren, später klären“ ist keine dritte Option.
