Das Dubai International Financial Centre (DIFC) und der Abu Dhabi Global Market (ADGM) sind keine gewöhnlichen Free Zones. Sie sind eigene Rechtsräume innerhalb der VAE: mit Gesellschafts- und Vertragsrecht nach englischem Vorbild (Common Law), eigenen Gerichten, die auf Englisch verhandeln, eigenen Handelsregistern und eigener Finanzaufsicht. Für Holdings, Fonds, regulierte Finanzdienstleistungen und Strukturen mit internationalen Investoren ist das ein echter Vorteil. Für eine kleine Handels- oder Beratungsfirma ist es meist nur eine teure Hülle.
Dieser Beitrag ist ein allgemeiner Überblick, keine Rechts- oder Steuerberatung. Recht und Gebühren in den VAE ändern sich, und die Verfahren unterscheiden sich zwischen den Zonen. Ihre Struktur prüfen wir im Einzelfall.
Was DIFC und ADGM von anderen Free Zones unterscheidet
In einer normalen Free Zone wie IFZA, Meydan oder DMCC gelten die Regeln der Zone, und bei Streit landen Sie in der Regel vor den staatlichen Gerichten des Emirats – auf Arabisch, nach VAE-Zivilrecht. In DIFC und ADGM ist das anders:
- Eigenes Gesellschaftsrecht. Im DIFC gilt das Companies Law (DIFC Law Nr. 5/2018), im ADGM die Companies Regulations 2020. Die eingetragene Satzung einer DIFC-Gesellschaft bindet Gesellschaft und Gesellschafter so, als hätte jeder sie unterschrieben (Art. 15). Anteilsübertragungen trägt die Gesellschaft nach schriftlichem Übertragungsdokument ins Register ein; eine Ablehnung muss sie innerhalb von 14 Tagen begründen (Art. 46).
- Eigene Gerichte. DIFC Courts und ADGM Courts verhandeln auf Englisch nach eigener Verfahrensordnung.
- Eigene Finanzaufsicht. Wer Vermögen verwaltet, Fonds administriert, Kredite vergibt oder als Broker tätig ist, braucht eine gesonderte Lizenz der Aufsicht des jeweiligen Zentrums – ein eigenes Projekt mit Geschäftsplan, Kapital- und Personalanforderungen.
- Eigenes Arbeitsrecht. Im DIFC gilt das Employment Law (DIFC Law Nr. 2/2019), nicht das Bundesarbeitsgesetz. Eine gesetzliche Gratuity gibt es dort seit dem 01.02.2020 nicht mehr; stattdessen zahlt der Arbeitgeber in den Sparplan DEWS ein (mehr unter Gratuity berechnen). Für ADGM gilt ebenfalls ein eigenes Regime.
- Vehikel, die normale Zonen nicht oder nur schlecht bieten: Fonds, Foundations für Familienvermögen, Zweckgesellschaften (SPV) zum Halten von Vermögenswerten.
Fünf Fragen, die die Entscheidung tragen
- Verlangt ein Investor, eine Bank oder ein Fondsadministrator Dokumente nach Common Law? Gesellschaftervereinbarungen mit Drag-along, Tag-along und Vorzugsrechten, Sicherheitenpakete, Treuhandkonstruktionen – all das ist im DIFC und im ADGM für internationale Anwälte vertrautes Terrain.
- Ist Ihre Tätigkeit reguliert? Dann führt ohnehin kaum ein Weg an einem Finanzzentrum vorbei. Rechnen Sie mit Monaten, nicht mit Wochen.
- Brauchen Sie ein Vehikel wie Fonds, Foundation oder SPV? Beide Zentren sind darauf ausgelegt.
- Wo sitzen die Menschen? DIFC liegt in Dubai, ADGM in Abu Dhabi. Büro und Team gehören dorthin, wo die Lizenz ist, und beide Zentren schauen auf echte Präsenz genauer als normale Zonen.
- Wollen Sie Streitigkeiten auf Englisch vor einem Common-Law-Gericht führen? Wenn Ihre Verträge ohnehin auf Schiedsverfahren setzen, wiegt dieser Punkt weniger.
Zwei oder mehr „Ja“ rechtfertigen in der Regel die höheren Kosten. Kein „Ja“ – dann leistet eine normale Free Zone dasselbe für weniger Geld. Einen Überblick über die Alternativen finden Sie unter Welche Free Zone in Dubai?.
DIFC oder ADGM: der Vergleich
| DIFC | ADGM | |
|---|---|---|
| Emirat | Dubai | Abu Dhabi |
| Gesellschaftsrecht | Companies Law, DIFC Law Nr. 5/2018 | Companies Regulations 2020 |
| Gerichte | DIFC Courts, Englisch | ADGM Courts, Englisch |
| Arbeitsrecht | DIFC Law Nr. 2/2019, DEWS statt Gratuity | eigenes Regime |
| Testamentsregister für Nicht-Muslime | DIFC Courts Wills Service | – |
| Typischer Einsatz (Tendenz, keine Regel) | operative Finanz- und Beratungsgesellschaften | Holding-SPVs, Fondsplattformen |
Den Ausschlag geben in der Praxis drei Dinge: Wo arbeitet das Team, welche Aufsicht kennen Ihre Geschäftspartner, und welches Register passt zu Ihrem Zeitplan.
Steuern in den VAE: kein Sonderregime
Für die Körperschaftsteuer sind DIFC und ADGM Free Zones wie andere auch. Das heißt:
- 0 % gibt es nur für eine Qualifying Free Zone Person (QFZP) und nur auf Qualifying Income. Welche Tätigkeiten qualifizieren, regelt die Ministerial Decision Nr. 229/2025.
- Alles übrige steuerpflichtige Einkommen einer QFZP wird mit 9 % ab dem ersten Dirham besteuert. Die Freigrenze von AED 375.000 gilt für eine QFZP nicht – sie steht nur normalen Steuerpflichtigen zu.
- Nicht qualifizierende Umsätze dürfen den niedrigeren Wert aus AED 5 Mio. oder 5 % des Gesamtumsatzes nicht übersteigen, sonst ist der Status für den laufenden und die vier folgenden Zeiträume verloren.
- Eine QFZP braucht einen geprüften Jahresabschluss.
- Die Registrierung bei der FTA über EmaraTax ist Pflicht; wer sie versäumt, zahlt AED 10.000.
Für internationale Konzerne mit einem konsolidierten Umsatz ab EUR 750 Mio. gilt seit dem 01.01.2025 eine Mindeststeuer von 15 % – egal, in welcher Zone die Gesellschaft sitzt. Einzelheiten zum Test: QFZP: 0 % in der Free Zone.
Was Sie in Deutschland, Österreich oder der Schweiz klären müssen
Die 0 % oder 9 % in den VAE sind nur die halbe Rechnung. Für Gesellschafter aus Deutschland kommen drei Punkte dazu:
- Kein DBA. Zwischen Deutschland und den VAE gibt es seit dem 01.01.2022 kein Doppelbesteuerungsabkommen mehr; das letzte ist am 31.12.2021 ausgelaufen. Österreich (in Kraft seit 01.09.2004, Änderungsprotokoll seit 01.03.2023) und die Schweiz (in Kraft seit 21.10.2012) haben dagegen ein DBA mit den VAE.
- Ort der Geschäftsleitung. Eine Gesellschaft, deren „Mittelpunkt der geschäftlichen Oberleitung“ in Deutschland liegt, ist hier unbeschränkt körperschaftsteuerpflichtig (§ 10 AO, § 1 KStG). Eine DIFC-Holding, deren Entscheidungen tatsächlich in München fallen, kann also deutsche Steuerpflichtige sein – trotz Büro im DIFC.
- Hinzurechnungsbesteuerung. Kontrollieren Sie allein oder mit nahestehenden Personen mehr als 50 % einer ausländischen Gesellschaft, können deren passive, niedrig besteuerte Einkünfte Ihrem Einkommen anteilig hinzugerechnet werden (§§ 7–8 AStG). Niedrig besteuert heißt: unter 15 %. Sowohl 0 % als auch 9 % liegen darunter. Ob die Hinzurechnung tatsächlich greift, hängt von der Art der Einkünfte und den Ausnahmen ab – gerade bei Holdings und Finanzvehikeln lohnt die Prüfung.
Klären Sie diese Fragen mit einem Steuerberater in Ihrem Heimatland, bevor Sie die Struktur aufsetzen. Mehr zum persönlichen Steuerwohnsitz: Steuerwohnsitz Dubai.
Was es kostet
Nach Angaben unseres Hauses liegen die Lizenzkosten in Premium-Zonen wie DMCC und DIFC ab AED 35.000 – 50.000+ (Richtwert, Stand September 2026, staatliche Gebühren gesondert). Die genauen Beträge hängen von der Rechtsform und davon ab, ob die Tätigkeit reguliert ist; wir bestätigen sie zum aktuellen Datum. Zum Vergleich mit normalen Zonen: Kosten der Firmengründung.
Der größere Kostenblock sind aber nicht die Gebühren, sondern Menschen und Räume: Beide Zentren erwarten echtes Personal und ein echtes Büro, eine regulierte Gesellschaft trägt zusätzlich Compliance-, Prüfungs- und Berichtspflichten gegenüber der Aufsicht. Planen Sie die Struktur auf drei Jahre, nicht auf die erste Rechnung.
Streitigkeiten: DIFC Courts und Schiedsverfahren
Die DIFC Courts sind nicht nur für Gesellschaften im DIFC zuständig. Parteien können ihre Zuständigkeit schriftlich vereinbaren, vor oder nach Entstehen des Streits – auch wenn keine Seite im DIFC sitzt.
Wichtig für Altverträge: Mit dem Dekret Nr. 34/2021 wurde das Schiedszentrum DIFC-LCIA abgeschafft, seine Aufgaben gingen auf das DIAC über. Bestehende Schiedsklauseln bleiben wirksam; das DIAC tritt an die Stelle des alten Zentrums, sofern die Parteien nichts anderes vereinbart haben. Verfahren, die bis einschließlich 20.03.2022 als DIFC-LCIA-Verfahren registriert wurden, verwaltet die LCIA in London weiter. In neuen Verträgen sollten Sie DIAC oder die DIFC Courts direkt benennen. Die VAE sind Vertragsstaat des New Yorker Übereinkommens von 1958, Schiedssprüche lassen sich also international vollstrecken. Mehr dazu: Internationale Schiedsverfahren.
Nachfolge: das Testamentsregister der DIFC Courts
Unabhängig von einer Gesellschaft im DIFC können Nicht-Muslime dort ein Testament registrieren – eine Aufenthaltserlaubnis in den VAE ist nicht nötig, die Registrierung läuft online per Video. Es gibt sechs Testamentsarten; ein Full Will kostet AED 10.000 (als Spiegeltestament für Paare AED 15.000) und erfasst das bewegliche und unbewegliche Vermögen in den VAE. Für Unternehmer interessant ist der Business Owners Will für Gesellschaftsanteile. Zum Mindestalter gibt es eine Unstimmigkeit: Die FAQ der DIFC Courts nennen 18 Jahre, das Gesetz Nr. 15/2017 des Emirats Dubai 21 Jahre. Einzelheiten: DIFC Testament.
Der Ablauf in Schritten
- Zweck festlegen: Welcher Vertrag, welcher Investor, welcher mögliche Streit verlangt Common Law? Gibt es keine Antwort, reicht eine normale Zone.
- Regulierung klären: Braucht die Tätigkeit eine Lizenz der Finanzaufsicht?
- Vehikel wählen: operative Gesellschaft, Holding, SPV, Fonds oder Foundation – davon hängen Büro- und Berichtspflichten ab.
- Unterlagen vorbereiten: Strukturbeschreibung, Herkunft des Kapitals, Nachweise zu den wirtschaftlich Berechtigten, Satzung, Bestellung der Direktoren. Ausländische Dokumente müssen meist legalisiert werden.
- Registrierung und Büro im Register des Zentrums.
- Konto und laufende Pflichten: Bankkonto, Körperschaftsteuer-Registrierung, Prüfung, jährliche Meldungen ans Register.
Wir begleiten die Gründung in allen Zonen: Firmengründung.
Häufige Fragen
Muss ich in den VAE wohnen, um eine Gesellschaft im DIFC zu gründen?
Nein, ein Wohnsitz ist keine Voraussetzung für die Registrierung. Für Bankkonto, Geschäftsführung und Visa ist Präsenz vor Ort aber in der Praxis meist nötig – und aus deutscher Sicht darf die Geschäftsleitung nicht faktisch in Deutschland liegen.
Zahlt eine DIFC-Gesellschaft automatisch 0 % Steuern?
Nein. Die 0 % gibt es nur als QFZP auf Qualifying Income; übriges Einkommen wird ab dem ersten Dirham mit 9 % besteuert.
Kann ich meine bestehende Free-Zone-Gesellschaft ins ADGM verlegen?
Manchmal, je nach Ausgangszone. Häufiger ist der praktische Weg eine Neugründung mit Übertragung der Vermögenswerte. Das prüfen wir für die konkrete Zone.
Reicht eine Gesellschaft im DIFC für alles?
Meist nicht. Üblich ist eine Holding im Finanzzentrum und eine operative Gesellschaft dort, wo die Kunden sind.
Quellen
- DIFC Companies Law, DIFC Law Nr. 5/2018: https://www.difc.com/business/laws-and-regulations/legal-database/difc-laws/companies-law-difc-law-no-5-2018
- DIFC Courts, Zuständigkeit: https://www.difccourts.ae/about/jurisdiction
- Ministerial Decision Nr. 229/2025 (QFZP): https://mof.gov.ae/wp-content/uploads/2025/09/EN-Ministerial-Decision-No.-229-of-2025-Regarding-Qualifying-Activities-and-Excluded-Activities.pdf
- BMF, Stand der DBA am 1. Januar 2026: https://www.bundesfinanzministerium.de/Content/DE/Downloads/BMF_Schreiben/Internationales_Steuerrecht/Allgemeine_Informationen/2026-01-07-stand-DBA-1-januar-2026.pdf
